Musik­gesellschaft Harmonie Lichtensteig

feel the music

Unser nächster Auftritt

22. Nov

Er­­öf­fnung Weih­nachts­be­leuch­tung

18.00 Uhr

Arkaden Möbel Bleiker 

Die beginnenden Dreissigerjahre waren von der Wirtschaftskrise überschattet. Wenn man erlebten Erzählungen jener Zeit lauscht, so hat­ten auch im Toggenburg viele Familien kaum das Nötigste zum Leben, Tagelöhnerei war weit verbreitet. Der Schulrat bat den Präsidenten der «Harmonie» gar um einen finanziellen Bei­trag, damit den Kindern eine Schulreise gebo­ten werden konnte. In dieser Krisenzeit lag ei­ne Teilnahme an grossen Musikfesten, wie des Eidgenössischen von Bern 1931, nicht drin.

Toggenburger Musiktag (1931).
Musiktag in Lichtensteig

Am 7. Juni 1931 wurde in Lichtensteig der elfte Toggenburger Musiktag mit 18 Musikfor­mationen durchgeführt. Ein grosser Festumzug mit Marschmusik, verschiedensten Vereins­gruppen und geschmückten Wagen eröffnete den Feiertag. Die Wettstücke wurden auf der Wiese neben der Stickerei Leemann im freien Feld vorgetragen, das heisst ein kleiner Zeltpa­villon überdeckte lediglich die spielenden Musikgesellschaften. So mussten die letzten acht Vereine vor sehr wenig Publikum mit Regen­schirmen auftreten. In Reaktionen nach dem Fest war bereits die beginnende politische Un­ruhe zu spüren. Rechtsgerichtete Berichterstat­ter benützten Teile der Ansprache des Festredners und OK-Präsidenten Dr. Paul Kaufmann zu Propagandazwecken.

Sängertag Lichtensteig (1938).
Zeit für grosse Feste

Die «Harmonie» liess von nun an kaum einen Festanlass aus. 1932 spielte sie in Bazenheid am Toggenburger Musiktag Ausschnitte aus ei­nem Werk, das damals sehr in Mode war: «Die Meistersinger von Nürnberg» von Richard Wagner. 1934 wurde in Gossau ein Kantonales Musikfest organisiert. Die «Harmonie» Lichten­steig reihte sich zu den Stadtmusiken von Rorschach und St. Gallen und nahm ausser Kon­kurrenz am Fest teil. In einem festlichen Gala­konzert traten die Lichtensteiger mit der Ton­dichtung «Finlandia» von Jean Sibelius auf. Vom 27. bis 29. Juli 1935 veranstaltete der Eid­genössische Musikverein ein Musikfest in Luzern. Die Lichtensteiger nahmen daran sehr er­folgreich teil und belegten den ersten Rang in der dritten Kategorie der Blechmusiken (die der heutigen zweiten Klasse entsprechen würde).

Basstubas im Gleischritt.
Gute Blattspieler gefragt

Ein wesentlicher Unterschied zu heutigen Blasmusikwettbewerben war der «Stunden­chor», das heisst den teilnehmenden Musik­korps wurde eine Neukomposition direkt am Spielort vorgelegt. Nach einer Stunde üben war sie vorzutragen. Die Mitglieder der «Har­monie» mussten morgens um fünf Uhr in Lich­tensteig abreisen, um rechtzeitig ihren Primavista-Vortrag in Luzern absolvieren zu können. Am Samstag, 27. Juli, gingen alle wichtigen Auftritte über die Bühne und am Sonntag war eine Beteiligung am fast vierstündigen Festakt mit Gesamtchören Ehrensache. Zum Schluss nahm die «Harmonie» Lichtensteig voller Stolz den Lorbeerkranz mit Gold in Empfang. Der Montag diente einer gemütlichen Vereinsreise mit Schiff und Eisenbahn, die von Luzern nach Brunnen und von Arth-Goldau über Rapperswil in das heimische Felsenstädtchen führte. Der Empfang durch Behörden und Bevölkerung von Lichtensteig zeugte von grosser Verbun­denheit.

Modernes Repertoire

Das Repertoire der «Harmonie» Lichtensteig war in den Dreissigerjahren sehr modern. Die meisten Musikgesellschaften spielten Trans­kriptionen klassischer Orchesterwerke und meist schwierige Märsche. Ouvertüren aller be­kannten Opern füllten auch in Lichtensteig die Konzertprogramme. An Toggenburger Musik­tagen waren von der «Harmonie» aber als ein­zige Teilnehmerin erste Originalkompositionen zu hören, wie 1937 die «Slavische Rhapsodie» von Carl Friedemann. Märsche standen hoch im Kurs, so gaben die Lichtensteiger 1937 ein Marschmusikkonzert mit Märschen aus Frank­reich, Italien, Ungarn, England, Schweden, Österreich, Deutschland, Mexiko, USA und der Schweiz. 1940 spielte die «Harmonie» im «Kronen»-Saal erstmals konzertante Werke von Schweizer Blasmusikkomponisten wie Ste­phan Jäggi.


1931 Elfter Toggenburger Musiktag in Lichtensteig   ♦ 1934 Kantonalmusikfest in Gossau   ♦ 1935 Eidgenössisches Musikfest in Luzern 1. Rang 3. Kategorie   ♦ 1936 Toggenburger Kreismusiktag in Nesslau   ♦ 1937 Konzert mit Originalwerken für Blasmusik   ♦ 1940 Konzertante Musik von Schweizer Komponisten


Wir danken unseren Partnern